Meine Stärke und mein Lied ist der Herr

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In fast allen Religionen der Welt haben die Musik und das Singen eine große Bedeutung. Nicht anders war es im Volk Israel. Seit dem König David waren die Israeliten bei den Nachbarvölkern für ihre Lieder berühmt. Nach der Deportation nach Babylon rief man ihnen dort zu: „Singt uns Lieder von Sion!“ So steht es im Psalm 137. Das Buch der Psalmen ist eigentlich ein Liederbuch für den Tempel in Jerusalem.
Das Leitwort für 2019 ist den Psalmen entnommen. Es steht in Psalm 118 und verbindet zwei Aussagen. Die erste ist: „Meine Stärke ist der Herr.“ Diese Worte sprechen von einer Erfahrung: „Gott hat mich stark gemacht. Er hat mir Kraft gegeben, um die
Bedrängnisse zu bewältigen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Es handelt sich um ein Bekenntnis, das die Dankbarkeit für das Wirken Gottes zum Ausdruck bringt. Die zweite Aussage: „Mein Lied ist der Herr“, gibt der Dankbarkeit Ausdruck im Singen. Das Lied bedeutet sehr viel: Verehrung Gottes, Dank, Freude, Leben, Zukunft, Gemeinschaft mit Gott und noch manches andere.
Die Pilgerinnen und Pilger werden also durch das Leitwort angeregt, über Dankbarkeit und Singen nachzudenken. Es geht um die Dankbarkeit gegenüber Jesus und Gott, dem Vater, und darum, wie es mit dem Singen bestellt ist, allein und mit anderen. Bisweilen kann man den Eindruck haben, dass die Musik in der Frömmigkeit unseres Landes nur eine Rolle spielt, wenn sie vorgetragen wird? Geben wir unser Singen an die professionelle Kirchenmusik und an die Kirchenchöre ab? Sind die Lieder, die in den Pilgergruppen gesungen werden, Ausdruck der Dankbarkeit und der Freude? Es kann auch inhaltlich gefragt werden: Stimmen die Worte und die Melodie mit dem überein, was die Beter im Herzen bewegt? Noch manche andere Frage könnte zum Singen gestellt werden.
Bei den Bruderschaften gibt es ganz große Unterschiede, wenn es darum geht, gemeinsam zu singen. Es wäre schön, die Gruppen würden sich gegenseitig anregen und es käme zu einer Erneuerung bzw. Verlebendigung dessen, was wir Lobpreis Gottes nennen.

Bruder Athanasius