SMB Aachen-Forst zu Besuch bei Bruder Hubert auf der Huysburg

Besuch auf der Huysburg (c) SMB Aachen-Forst - Helmut Vondenhoff
Besuch auf der Huysburg
Mo 29. Jun 2015
Andreas Spangemacher
Vor zwei Jahren sprachen wir beim Abschluss unserer Wallfahrt in Trier mit Bruder Hubert, bedauerten seinen Fortgang zur Huysburg und planten einen Besuch bei ihm. Im Laufe des vergangenen Jahres klärten wir in der Bruderschaft Termine ab und wir vereinbarten für den April 2015 für unseren Besuch.
Besuch auf der Huysburg (c) SMB Aachen-Forst - Helmut Vondenhoff
Besuch auf der Huysburg

In den Tagen vor der Fahrt erkrankten einige, so dass wir nach den verregneten Ostertagen am Donnerstag der Osterwoche mit 24 Personen bei wolkenlosem Himmel starteten. Unser erstes Zwischenziel war Goslar, die tausendjährige Kaiserstadt am Harz. Wir parkten unmittelbar an der 1050 errichteten Kaiserpfalz und sahen uns zwei Stunden lang die Altstadt an, die gemeinsam mit der Kaiserpfalz Weltkulturerbe der UNESCO ist. Eine weitere Stunde Fahrzeit entlang des Nordharzes mit Blick in weiter Ferne auf den noch schneebedeckten Brocken und schon hielten wir im weiten Klosterhof der Huysburg.

Bruder Hubert empfing uns hier mit strahlendem Lächeln und offenen Armen. In Ruhe bezogen wir die in den letzten Jahren renovierten modernen Gästezimmer und gingen vor dem Abendessen mit Bruder Hubert zum Gebet in die Klosterkirche. Den Abend verbrachten wir gemeinsam im Abteikeller, wo besonders unser Gründungs-Brudermeister, Kurt Tröbs, mit seiner Frau und weiteren Matthiasbrüdern und -schwestern der ersten „Stunde“ mit Bruder Hubert begeistert ein Vierteljahrhundert gemeinsamer Pilgererfahrung austauschten.

Der nächste Tag führte uns zum 25 km entfernten Quedlinburg mit seiner restaurierten Innenstadt und der Stiftskirche auf dem Schlossberg. Nach einer zweistündigen Stadtführung blieben noch fast drei Stunden für eigenes Erkunden und zum Besuch der vielen Restaurants und Cafes.

Zurück am Huy erreichten wir bald wieder das Kloster, das sich fast am höchsten Punkt eines bewaldeten Höhenrückens (314 m) befindet. Unmittelbar hinter der Klosterkirche fällt das Gelände stark ab. Kein Wunder, dass bereits Kaiser Karl im Sachenkrieg auf dieser schon seit der Bronzezeit besiedelten Höhe einen militärischen Stutzpunkt gegen die Überfälle der Ungarn errichten ließ. Der militärische Stutzpunkt als Bollwerk gegen die Völker aus dem Osten verlor seine strategische Bedeutung, als die Karolinger ihren Einfluss bis zur 80 km entfernten Elbe ausdehnten. Der Huyswald ist einer der größten fast reinen Buchenwälder Mitteleuropas und lädt auf gut markierten Wegen zum Wandern ein. Leider kam ich aufgrund des kurzen Aufenthalts nur zu zwei einstündigen Wanderungen.

Bruder Hubert führte uns durch einige Gebäude der weitläufigen Klosteranlage, deren Geschichte sich in den Bauwerken widerspiegelt. Abt Ekkehard von Halberstadt gründete 1080 auf dem Huy ein Benediktinerkloster.

Zwei Generationen später, im Jahre 1121, wurde die Klosterkirche „St.Maria “ geweiht. Der romanischen Kirche wurden durch spätere Umbauten gotische und auch barocke Bauelemente hinzugefügt.

Nach den Zerstörungen der Kriege im 17. und 18. Jahrhundert erhielt die Kirche ab 1724 eine spätbarocke Einrichtung.

2006 wurde der steinerne Altar in der Mitte der Vierung aus Säulenbasen des 12. Jahrhundert gestaltet, die aus dem Ostflügel des Klosters stammen.

Der Romanische Saal mit Säulenreihe und Kreuzgewölbe wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet und war das Refektorium (Speiseraum) der Mönche. In den Jahren 1680 - 1804 wurde er als Bibliothek genutzt. Zur DDR-Zeit waren hier mit Trennmauern die Zimmer des 1949 eingerichteten Pflegeheims abgeteilt. Seit der 2008 erfolgten Restaurierung wird der Saal für Empfänge und Vorträge genutzt.

Das Ekkehard-Haus, wurde in der Spätbarockzeit errichtet.  Heute dient es nach umfangreichen Restaurierungen mit großem Treppenhaus, festlichen Sälen, Gruppenräumen,  Abteikeller  und 40 modernen Zimmern als Tagungs- und Gästehaus.

Das Kloster Huysburg wurde1804 im Zuge der Säkularisierung aufgehoben. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche für die Katholiken in den Dörfern der Umgebung und der Prior der Abtei der erste Pfarrer der neuen Pfarrei Huysburg. Als abzusehen war, dass die DDR sich vollständig von der Bundesrepublik abtrennte, wurde 1952 in einigen Räumen der Huysburg ein Priesterseminar eingerichtet, zu welchem Priesteramtskandidaten aus der gesamten DDR zur pastoralen Ausbildung kamen. Gleichzeitig wurde die Huysburg als Wallfahrtsort gefördert. 1972 wurde im Pfarrhaus mit Unterstützung der polnischen Benediktinerabtei Tynic bei Krakau eine benediktinische Gemeinschaft gegründet, so entstand das einzige Benediktinerkloster in der DDR. Nach der Wiedervereinigung begann eine Zusammenarbeit mit St. Matthias und seit 2004 bilden die Trierer und Huysburger Benediktiner eine Mönchsgemeinschaft.

Die bereits 1952 begonnene Förderung der Wallfahrt trägt heute reiche Früchte. Jeweils am ersten Sonntag im September kommen mehr als 4.000 Katholiken zur Huysburg. Die vorletzte Wallfahrt stand unter dem Leitwort: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“. Klein ist Herde, gemessen an allen Einwohnern,  jedoch nicht im Verhältnis zu den Katholiken des Bistums, da zur Huysburg fünf  Prozent aller Katholiken pilgern. Würden fünf Prozent der Katholiken aus den Bistümern Aachen und Trier nach St. Matthias pilgern, dann verehrten nicht wie jetzt 7.000 jährlich das Apostelgrab, sondern 120.000. Von einer „kleinen Herde“ wäre keine Rede mehr. Die überaus große Teilnahme ist sicherlich auch dem Umstand zu verdanken, dass alle zur DDR-Zeit ausgebildeten Priester die Huysburg von ihrer Seminarzeit her kennen.

Am Abend im Abteikeller erzählte Bruder Hubert von den Menschen seiner Pfarre. Hier in der Diaspora ist das kirchliche Leben anders organisiert als bei uns im Rheinland. Fragt er bei Begegnungen nach dem Glauben oder der Religion, so erhält er fast regelmäßig die Antwort: „normal“. Normal, das ist hier nach der Hitlerzeit und den sich anschließenden DDR-Jahren ein Leben ohne jeden Bezug zur Religion. In dieser seit der Reformation evangelisch geprägten Region fanden Katholiken in nennenswerter Zahl erst als Flüchtlinge Heimat. Heute leben im Bistum Magdeburg, das von der Fläche her mit Sachsen-Anhalt identisch ist, 85Tausend Katholiken, was 4% der Gesamtbevölkerung entspricht. Kein Wunder, dass auch von den mehr als 20 Mitarbeitern auf der Huysburg nur zwei katholische sind. Da die Arbeitsmöglichkeiten hier zwischen Harz und Magdeburger Börde nur sehr begrenzt sind, fahren viele in Fahrgemeinschaften täglich zu den Arbeitsplätzen in den rund 100 km entfernten Städten wie Wolfsburg oder Braunschweig. Auch das Gemeindeleben der 40 mal 20 km großen Pfarre, die aus 17 Dörfern besteht, funktioniert nicht ohne Auto, daher wird auch im Pfarrbrief bei vielen Veranstaltungen auf Mitfahrgelegenheiten hingewiesen. Über eine Besonderheit ist Bruder Hubert besonders erfreut. Als gebürtigter Aachener ist er begeistert, dass in zwei Dörfern seiner großen Pfarre Karneval gefeiert wird, hier heißt es in den Tagen vor Aschermittwoch:  Huylau! statt Alaaf!

Am Morgen des Abreisetages verabschiedeten wir uns in der Klosterkirche mit Gebet und dem Matthiaslied, das Bruder Hubert an der Orgel begleitete.

Nach einstündiger Fahrt besuchten wir Magdeburg, die Stadt der Ottonen. Bei einer Stadtführung  vom Rathaus zum Dom, vorbei an der „Grünen Zitadelle“, dem 2005 fertiggestellten Hundertwasserhaus, erfuhren wir viel von der historische Geschichte und der DDR-Zeit. Otto der Große wurde 962 vom Papst in Rom zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt und fand seine letzte Ruhe im Magdeburger Dom. Der Dom wurde mit wenigen anderen historischen Gebäuden in der am 16. Januar 1945 zu 90 Prozent zerstörten Stadt bereits zur DDR-Zeit renoviert. Nach weiteren zwei Stunden zum Bummeln und zur individuellen Stärkung ging es nach drei sonnenreichen Tagen ganz ohne Stau zurück nach Aachen.

An den vielen Eindrücken und den erinnerungsreichen Begegnungen mit Bruder Hubert werden wir uns noch lang gern erinnern.

 

Besuch auf der Huysburg (c) SMB Aachen-Forst - Helmut Vondenhoff
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